Armut
Armut in der Schweiz
end Grafik
Grafik Schweiz Armut
SILC 2009 Lebensbedingungen in der Schweiz
Die Erhebung (SILC)
Definitionen
Grafik Schweiz Armut
Verwandte Themen und Links
Grafik Thema: Gesellschaft, Gesundheit & Soziales
vorangehende Seiteend
Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen (SILC)
SILC 2009 - Lebensbedingungen in der Schweiz 2009
Grafik

Neuchâtel, 13.12.2010 (BFS)

Die Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen (SILC, Statistics on Income and Living Conditions) ermöglicht es, zum ersten Mal in der Schweiz die Lebensbedingungen auf breiter Basis zu untersuchen, indem Informationen über das Wohlbefinden und die Einkommensverteilung kombiniert werden. Im Jahr 2009 waren drei von vier Personen nach eigenen Aussagen mit ihrem Leben sehr zufrieden. Demgegenüber waren 6,7 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz von starker materieller Entbehrung betroffen.

Die Armutsgefährdung hängt von der berücksichtigten Armutsgefährdungsschwelle ab: Mit der Schwelle der Europäischen Union beträgt die Armutsgefährdungsquote in der Schweiz 14,6 Prozent, während es mit jener der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 8,0 Prozent sind.

Ungleichheiten bei der Einkommensverteilung

Die Ungleichheiten bei der Einkommensverteilung werden aufgrund des verfügbaren Äquivalenzeinkommens ermittelt. Dieses wird wie folgt berechnet: Die obligatorischen Ausgaben werden vom Gesamteinkommen des Haushalts abgezogen, und der sich daraus ergebende Saldo wird durch die Äquivalenzgrösse des Haushalts geteilt. Damit dient das verfügbare Äquivalenzeinkommen unabhängig vom Haushaltstyp als Mass für den Lebensstandard der betrachteten Personen.

Das Medianeinkommen teilt die in aufsteigender Reihenfolge geordneten Einkommenswerte in zwei gleich grosse Teile: Für die eine Hälfte der Bevölkerung liegt das verfügbare Äquivalenzeinkommen über dem Medianeinkommen, für die andere Hälfte ist es darunter angesiedelt. 2009 betrug der Median des verfügbaren Äquivalenzeinkommens 47'840 Franken pro Jahr. Damit besass die wohlhabendere Hälfte der Bevölkerung ein 2,3-mal höheres verfügbares Äquivalenzeinkommen als die einkommensschwächere Hälfte.
Finanzielle Armutsgefährdung

In der Schweiz leitet sich die Definition der absoluten Armutsschwelle von den Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe ab, während die Armutsgefährdungsschwelle international definiert wird:

Vereinbarungsgemäss setzt die Europäische Union (EU) diese Schwelle bei 60 Prozent des Medians des verfügbaren Äquivalenzeinkommens an. Zur Veranschaulichung: Die Armutsgefährdungsschwelle lag 2009 bei 28'700 Franken Jahreseinkommen für eine Einzelperson und bei 60'270 Franken Jahreseinkommen für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren.

Im Jahr 2009 waren 14,6 Prozent der in der Schweiz lebenden Bevölkerung armutsgefährdet, d.h. fast jede siebte Person. Zu den am stärksten armutsgefährdeten sozialen Gruppen gehören Personen in Einelternfamilien (31,7%) oder kinderreiche Familien (27,2%), aussereuropäische Staatsangehörige (30,5%), Erwachsene ohne nachobligatorische Ausbildung (25,0%), Erwerbslosen (23,8%) und schliesslich Kinder von 0 bis 17 Jahren (18,3%). Die 65-Jährigen und Älteren weisen ebenfalls eine sehr hohe Armutsgefährdung auf (26,4%) - insbesondere wenn sie alleine leben (32,8%). Allerdings greifen auch besonders viele unter ihnen auf ihr Vermögen zurück, um ihre laufenden Ausgaben zu decken (18,3%; verglichen mit 8,3% der Gesamtbevölkerung). Da jedoch der Rückgriff auf das eigene Vermögen nicht ins verfügbare Äquivalenzeinkommen einbezogen wird, bleiben entsprechende Situationen von der Schätzung der Armutsgefährdung ausgeschlossen.

Die Armutsgefährdungsschwelle wird unterschiedlich definiert. Während die Europäische Union sie bei 60 Prozent des Medians des verfügbaren Äquivalenzeinkommens ansetzt, sind andere Stellen strenger und gehen von 50 Prozent des Medians aus. Für diesen zweiten Ansatz hat sich die OECD entschieden. 2009 betrug die streng definierte Armutsgefährdungsquote 8,0 Prozent. Der Wechsel von der 60%- zur 50%-Schwelle reduziert die Anzahl armutsgefährdeter Personen um fast die Hälfte.

Materielle Entbehrungen

Anhand der materiellen Entbehrungen aus finanziellen Gründen lässt sich die soziale Ausgrenzung eher absolut beschreiben. Im Jahr 2009 waren 6,7 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz von materieller Entbehrung betroffen. Die Mehrheit der armutsgefährdeten sozialen Gruppen ist auch von materieller Entbehrung betroffen: Dies gilt für Erwerbslosen (Quote der materiellen Entbehrung: 28,8%), Personen in Einelternfamilien (23,5%), ausländische Staatsangehörige aus dem aussereuropäischen Raum (19,4%) und Personen ohne nachobligatorische Ausbildung (10,8%).

Bei gewissen sozialen Gruppen ist der Zusammenhang zwischen finanzieller Armut und materieller Entbehrung allerdings komplexer. So sind ausländische Männer und junge Erwachsene (18-24 Jahre) zwar nicht im besonderen Masse armutsgefährdet, ihre Quote der materiellen Entbehrung ist aber signifikant höher als jene der Gesamtbevölkerung. Demgegenüber sind kinderreiche Familien und Kinder einer erhöhten Armutsgefährdung ausgesetzt, aber nicht speziell von materieller Entbehrung betroffen. Einen Sonderfall schliesslich bilden die Personen ab 65 Jahren: Sie weisen einerseits eine überdurchschnittliche Armutsgefährdung auf, andererseits ist ihre Quote der materiellen Entbehrung (3,2%) signifikant tiefer als jene der Gesamtbevölkerung (6,7%).

Subjektive Einschätzung der Lebensqualität

Die Lebenszufriedenheit im Allgemeinen ist ein umfassendes Mass für die subjektive Lebensqualität der Bevölkerung. Die Lebenszufriedenheit der Bevölkerung in der Schweiz ist hoch: Im Jahr 2009 waren drei von vier Personen (74,6%) mit ihrem Leben sehr zufrieden. Dieser Anteil ist bei den armutsgefährdeten Personen signifikant kleiner (66,6%) als bei den nicht von Armut bedrohten Personen (75,9%).

Quelle: GText BUNDESAMT FÜR STATISTIK , Dezember 2010
Grafik

nach oben

Die Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen (SILC)
Grafik

SILC ist eine europaweit koordinierte Erhebung, die in über 25 Ländern durchgeführt wird. Ziel der Erhebung ist die Untersuchung der Einkommensverteilung, der Armut, der sozialen Ausgrenzung und der Lebensbedingungen anhand europäisch vergleichbarer Indikatoren. Mit der Erhebung werden jährlich aktuelle und vergleichbare mehrdimensionale Daten über Einkommen, Wohnbedingungen, Arbeit, Bildung und Gesundheit gesammelt.

Aufgrund des bilateralen Statistikabkommens wird die Erhebung SILC auch in der Schweiz durchgeführt. Sie basiert auf einer Stichprobe von rund 7000 Haushalten mit etwas über 17'000 Personen, die mit einem Zufallsverfahren aus dem BFS-Register der privaten Telefonanschlüsse gezogen werden. Grundgesamtheit ist die ständige Wohnbevölkerung in Privathaushalten. Die an der Erhebung teilnehmenden Personen werden während vier aufeinander folgenden Jahren befragt. Auf diese Weise können wesentliche Veränderungen der Lebensverhältnisse einzelner Personen beschrieben und die Entwicklung der Lebensbedingungen untersucht werden.

nach oben

Definitionen
Grafik

Bruttoeinkommen:

Das Bruttohaushaltseinkommen fasst alle Einkommen sämtlicher Mitglieder eines Privathaushalts zusammen. Dazu gehören die Einkommen aus unselbstständiger und selbstständiger Erwerbstätigkeit, Renten und Sozialtransfers, Vermögenserträge, Unterhaltszahlungen sowie andere regelmässige Transfereinkommen von anderen Haushalten usw. Um den finanziellen Vorteilen bei selbst genutztem Wohneigentum oder Mietobjekten, deren Mietzinsen unter dem marktüblichen Preis liegen, Rechnung zu tragen, wird zum Bruttoeinkommen der betreffenden Haushalte ein um die effektiven Wohnkosten reduzierter Betrag addiert («fiktive Miete»), der dem Nutzungswert des Objekts entspricht. Die in der Befragung SILC 2009 erhobenen Einkommensdaten beziehen sich auf das Jahr 2008.

Verfügbares Einkommen:

Das verfügbare Einkommen wird berechnet, indem man vom Bruttoeinkommen die obligatorischen Transferausgaben, d.h. Sozialversicherungsbeiträge, Steuern, Krankenkassenprämien für die Grundversicherung und zu leistende Unterhaltsbeiträge abzieht.

Verfügbares Äquivalenzeinkommen:

Das verfügbare Äquivalenzeinkommen wird anhand des verfügbaren Haushaltseinkommens unter Einbezug der Anzahl Personen im Haushalt (via «Äquivalenzgrösse» des Haushalts) berechnet. Um den Skaleneinsparungen Rechnung zu tragen (eine vierköpfige Familie hat nicht viermal höhere Ausgaben als eine alleinlebende Person, um denselben Lebensstandard zu erreichen), werden die einzelnen Personen des Haushalts gewichtet: Dem ältesten Haushaltsmitglied wird dabei das Gewicht 1 zugewiesen, jeder weiteren Person ab 14 Jahren das Gewicht 0,5, jedem Kind unter 14 Jahren das Gewicht 0,3 (diese Werte entsprechen der neuen OECD-Skala); die «Äquivalenzgrösse» entspricht der Summe der zugeordneten Werte.

Armut:

Armut bedeutet Unterversorgung in wichtigen Lebensbereichen (materiell, kulturell und sozial), so dass die betroffenen Personen nicht den minimalen Lebensstandard erreichen, der im Land, in dem sie leben, als annehmbar empfunden wird. In der Regel wird die Armut finanziell definiert, wobei üblicherweise zwei Ansätze angewendet werden: der absolute und der relative Ansatz.

Die Armutsquote basiert auf einer «absoluten» Schwelle: Hierbei gelten Personen als arm, denen nicht die Mittel zur Verfügung stehen, um die für ein integriertes Sozialleben notwendigen Waren und Dienstleistungen zu erwerben. Dieser Definitionsansatz bezieht sich somit auf das soziale Existenzminimum. Damit bildet die Armutsquote eine Grundlage für die Evaluation der Sozialpolitik.

Die Armutsgefährdungsquote basiert auf einer «relativen» Schwelle: Als armutsgefährdet gelten hier Personen, die in einem Haushalt leben, dessen finanzielle Ressourcen (ohne erspartes Vermögen) deutlich unter dem üblichen Einkommensniveau des betrachteten Landes liegen. Die Armut wird deshalb als eine Form der Ungleichheit betrachtet: Ob eine Person als armutsgefährdet gilt, hängt also nicht allein von ihrer eigenen wirtschaftlichen Situation ab, sondern auch vom landesspezifischen Wohlstandsniveau. Dieser Indikator eignet sich sehr gut für internationale Vergleiche.

Materielle Entbehrung:

Die Quote der materiellen Entbehrung wird beschrieben als das Fehlen aus finanziellen Gründen von mindestens drei von neun Elementen aus den nachfolgend geschilderten Kategorien. Koordiniert auf europäischer Ebene werden die neun Kategorien von materieller Entbehrung, die diesen Indikator bilden, wie folgt definiert: in der Lage sein, unerwartete Ausgaben in der Höhe von 2000 Franken zu tätigen; in der Lage sein, eine Woche Ferien pro Jahr weg von zu Hause zu finanzieren; keine Zahlungsrückstände (Hypothekenraten oder Miete, laufende Rechnungen, Ratenzahlungen für Mietkauf oder andere Darlehensrückzahlungen); in der Lage sein, jeden zweiten Tag eine fleisch- oder fischhaltige Mahlzeit (oder vegetarische Entsprechung) zu haben; in der Lage sein, die Wohnung ausreichend zu heizen; im Besitz einer Waschmaschine sein; im Besitz eines Farbfernsehers sein; im Besitz eines Telefons sein; im Besitz eines Autos sein.

nach oben

Weitere Informationen
Grafik
Schweiz Alleinerziehende mit hohem Armutsrisiko
Junge Erwachsene in Schwierigkeiten
OECD Divided we stand - Einkommensungleichheit 2011

Links
Grafik
Externe Links
Grafik
Bundesamt für Statistik BfS
Grafik
Grafik
end
vorangehende Seite Grafik Grafik