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Armut Schweiz und Vierte Welt
ATD und Vierte Welt
Der 17. Oktober
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Thema: Gesellschaft, Gesundheit & Soziales
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ATD und Vierte Welt
Was bedeuten ATD und Vierte Welt?

ATD - All together in dignity

Anfang der sechziger Jahre nannten die Menschen im Lager von Noisy-le-Grand und ihre Verbündeten ihren Verein« Aide à toute détresse » (Hilfe in aller Not). Sie drückten so ihre Solidarität mit den am stärksten vom Elend Betroffenen aus. Die Initialen ATD wurden zur Erinnerung an diese Geschichte beibehalten. In englischer übersetzung wurde daraus« All togheter in dignity» (Alle zusammen in Würde).

Die Vierte Welt: Herkunft des Begriffs

Im Vorfeld der Französischen Revolution schlägt der Abgeordnete Dufourny de Villiers eine völlig neue Haltung gegenüber den ärmsten vor. Empört über deren Ausschluss von den Beratungen und von der Wahl der Abgeordneten für die Generalstände verlangt er für sie eine direkte Vertretung. Dazu müsste ein Vierter Stand neben Adel, Klerus und Drittem Stand geschaffen werden, "der Heilige Stand der Unglücklichen", der armen Taglöhner, der Gebrechlichen und Bedürftigen Der Aufruf bleibt ungehört und die Revolution findet ohne sie statt.

Was ist die Vierte Welt?

Aus den Begriffen "Vierter Stand" und "Dritte Welt" prägte Joseph Wresinski 1969 den Namen "Vierte Welt" zur Bezeichnung der Armen in Nord und Süd, in Ost und West, die sich tagtäglich gegen das Elend wehren. Ihr hartnäckiger überlebenskampf ist der Antrieb für den gemeinsamen Einsatz von Bürgern und Bürgerinnen in der Bewegung ATD Vierte Welt. Dabei geht es nicht darum, das Elend ein wenig zu lindern, sondern es bei der Wurzel anzupacken: Unwissenheit und fehlende gesellschaftliche Anerkennung.

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17. Oktober - Welttag zur überwindung der Armut

Die Bekämpfung der Armut geht alle an - jeden Tag

Unter diesem Titel steht der UNOWelttag zur überwindung der Armut dieses Jahr in der Schweiz. Die Armut ist da, oft aber nicht präsent. Sie existiert in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, aber wir nehmen sie nicht wahr. Gerade da setzt die Bekämpfung im Alltag an. Wenn jeder die Augen offen hat für seinen Nachbarn, ist schon viel getan. Die Gründe für Armut sind vielfältig: Krankheit, mangelnde Ausbildung, Stellenverlust und vieles mehr. In der Schweiz leben rund eine Million Einwohner mit Einkommen, die nicht zum Leben reichen. Mit finanzieller Hilfe allein ist den Betroffenen nicht geholfen. Immer wieder geraten Armutsbetroffene unter Druck und werden ausgegrenzt. Sie können sich nicht wehren, denn sie fühlen, dass sie verachtet werden. Sie isolieren sich und verlieren die Kontakte zu den Mitmenschen. Armut ist mehr als kein Geld zu haben! Am 17. Oktober soll Armut breit thematisiert werden. Aufgezeigt werden soll, dass Armut nicht nur in der so genannten Dritten Welt präsent ist, sondern auch bei uns. Die Aussage Betroffener aus Genf zum UNO-Welttag zur überwindung der Armut: Für uns ist der 17. Oktober ein sehr wichtiger Tag. Wir können sprechen und werden gehört. Es ist nicht oft der Fall, dass uns das Wort gegeben wird. An diesem Tag versammeln sich die Leute und zeigen ihre Solidarität mit uns. Wir wünschen uns, jedes Jahr mehr zu sein. Zu diesem 17. Oktober haben die fünf Organisationen ATD Vierte Welt, Caritas Schweiz HEKS, Schweizerisches Arbeiterhilfswerk (SAH) und SKOS (Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe) eine gemeinsame Erklärung verfasst. Sie appelliert an alle, Widerstand zu leisten gegen Ungerechtigkeiten bei Armutsbetroffenen.

Am 17. Oktober soll Armut breit thematisiert werden. Aufgezeigt werden soll, dass Armut nicht nur in der so genannten Dritten Welt präsent ist, sondern auch bei uns, oft ohne dass wir sie wahrnehmen.

Armutsbetroffene haben etwas zu sagen, auch wenn sie oft nicht gehört werden. Sie wollen nicht länger als Versager oder arbeitscheue Menschen abgestempelt sein. Die Schicksale, die für das Büchlein zusammengekommen sind, das ATD Vierte Welt Schweiz zum 17. Oktober herausgibt, zeigen, dass Armut nicht einfach hingenommen wird, sondern Widerstand auslöst, sie zeigen aber auch, dass die Betroffenen oft nicht ernst genommen und sogar am Weiterkommen gehindert werden.

Armut kann nur miteinander bekämpft werden, nicht gegeneinander oder übereinander. Das heisst, dass Massnahmen zur Bekämpfung der Armut mit den Betroffenen entwickelt werden müssen. Nur so kann Armut, eines der grössten sozialen Probleme dieses Jahrhunderts, effizient und endgültig bekämpft werden.

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Der 17. Oktober
Am 22. Dezember 1992 erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 17. Oktober zum«Internationalen Tag zur überwindung der Armut». Das war die Folge eines Aufrufs des ehemaligen Generalsekretärs der UNO, Javier Perez de Cuellar, im Namen eines Komitees für den Welttag zur überwindung der Armut.

Bereits am 17. Oktober 1987 folgten 100'000 Menschen einem Aufruf von ATD Vierte Welt-Gründer Joseph Wresinski und versammelten sich auf dem Trocadéro in Paris. Eine Steinplatte wurde auf dem Platz der Freiheiten und Menschenrechte eingeweiht, an dem Ort, an welchem 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unterzeichnet worden war.

Heute wird der 17. Oktober in vielen Ländern und Städten mit den verschiedensten Aktivitäten begangen. Es werden Gesprächsrunden, Versammlungen, Ausstellungen oder Gedenkmärsche durchgeführt. Ziel dieser Anlässe ist es einerseits, den Betroffenen Raum und Stimme zu geben, andererseits alle zu unterstützen, die sich im Kampf gegen Armut und Ausgrenzung einsetzen.

Alle Engagierten vereinigen sich gegen Armut und Ausgrenzung. Es geht einfach darum, denen die Ehre zurückzugeben, die durch Verachtung niedergedrückt werden.

Quelle: ATD Vierte Welt, 2006
ATD Vierte Welt – ATD Quart Monde -1733 Treyvaux – Tel. 026 413 11 66 – Fax 026 413 11 60 kontakt@vierte-welt.ch - contact@quart-monde.ch - www.vierte-welt.ch - www.quart-monde.ch

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Weiterführende Informationen
Working poor Arbeitende in Armut Schweiz Altersarmut
Armut - Schweizer Hilfswerke Armut: Nationale Konferenz 2010

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